Schon am Fusse des
Wawelhügels erwarten uns mehrere Gruppen von Touristen, die
sich genauso auf eine beeindruckende Schlossbesichtigung freuen, wie wir es tun.
Auf dem Hügel angekommen geniessen wir dann die wunderschöne Aussicht über die Stadt Krakau, mit Blick auf die
Weichsel. Unter den Burgmauern ist der Eingang zur Drachenhöhle zu sehen, eine typische Karsthöhle, wie sie in dieser Landschaft oft
anzutreffen ist. Vor der Höhle steht eine Statue des feuerspuckenden Drachen, der
an den Gründungsmythos der Stadt Krakau erinnert: Einst, vor
langer Zeit, hauste der Drache in der Höhle und verängstigte die Stadt. Als Opfergabe wurden regelmässig Jungfrauen die Burgmauer hinunter
geworfen und dem Drachen verfüttert, bis der mutige Ritter Krak kam und die Stadt
durch eine kluge List vom Monster befreite. Daraufhin wurde Krak zum König gekrönt und die Stadt erhielt ihm zu Ehren den
Namen Krakau.
Wir treten durch das
Burgtor ins Innere der Festung und erhalten einen ersten Überblick über die vielen unterschiedlichen Gebäude. Gleich zu Beginn fällt uns die wunderschöne Wawelkathedrale mit ihren stil- und
materialgemischten Kuppeln auf, von denen einige prunkvoll vergoldet in den
Himmel ragen. Das Königsschloss samt Innenhof und seiner riesigen Anlage imponiert
uns stark.
Nicht nur die Grösse der einzelnen Monumente, sondern auch
die Vielzahl der Gebäude, Tore, Türme und die verschiedenen Baustile überwältigen uns. In ihnen liegt eine 1000-jährige Baugeschichte mit etlichen
Stilrichtungen wie Romantik, Gotik, Renaissance und Barock verborgen. Der
Schlosskomplex brannte nämlich etliche Male und wurde dann von einem neuen
Architekten aus einer neuen Zeit in ganz anderem Stil wieder
"repariert". Es wurden auch zahlreiche Kapellen hinzugefügt, denen die verschiedenen Epochen direkt
anzusehen sind.
Besonders gut
ersichtlich ist der Mix bei der Kathedrale zu sehen. Der untere Teil der
Aussenmauer besteht aus gotischem Kalkstein, während in den höheren Partien der Kathedrale vor allem
Ziegel aus der Romantik verwendet wurden. Im Innern dominierte Marmor und
Sandstein.
Die verschiedenen Gebäude mit ihren unterschiedlichen
Stilrichtungen besichtigen wir nun eigenständig und die Klasse trennt sich. Für sehenswert halten viele die Kathedrale
und der Glockenturm, denn nicht nur die Fassade der Kathedrale hat eine
Geschichte zu erzählen, sondern auch ihr Inneres. Zu Ehren der Nationalhelden wie
Joszef Antoni Poniatowski und berühmten Dichtern der Romantik wie Juliusz Slowaki werden
ihre Überreste in der Krypta aufbewahrt. In der Kathedrale werden in Königsgräbern auch
viele polnische Königsfamilien
bestattet. Die vielen Altäre, Verzierungen und Vergoldungen
beeindruckten uns sehr.
Ein weiteres Highlight ist der Besuch des
berühmten
Glockenturms. Für die Erklimmung des Turmes ist es laut unserem elektronischen Tourguide von Vorteil, in guter körperlicher Verfassung zu sein, da man etwa
70 Stufen besteigen muss. Oben angekommen erwartet uns die bombastische
Aussicht über Krakau. Das Wichtigste jedoch war die 11 Tonnen
schwere Sigismundglocke. Die Glocke läutet nur bei seltenen Anlässen, wie beispielsweise bei
Nationalfeiertagen oder der Wahl des Papstes. Hinter ihr verbirgt sich eine Sage:
Wer die Glocke mit seiner rechten Hand berührt und seine linke auf sein Herz legt, dem werden die
Herzenswünsche in Erfüllung gehen. Diese Chance nutzten wir natürlich und stiegen darum voller Hoffnung,
dass all unsere Wünsche wahr werden, die Treppe wieder hinunter.
Nun sorglos genossen
wir in der 300 Quadratmeter grossen Parkanlage die Sonne und liessen damit den
interessanten Morgen ausklingen.
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